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Alle ArtikelStand: 19. Oktober 2026· 6 Minuten

Anlagestrategien: Welche Wege gibt es?

Sparplan oder alles auf einmal, ein ETF oder mehrere, wie viel Risiko? Die häufigsten Strategien mit Beispielen in Euro, ohne Empfehlung.

Eine Anlagestrategie ist dein Plan: wie viel du anlegst, wann, worin und was du tust, wenn die Kurse fallen. Hier findest du die Wege, die Anfänger am häufigsten gehen. Wir zeigen Vor- und Nachteile mit Zahlen. Wir empfehlen keinen davon. Welcher Weg zu dir passt, hängt von deiner Lage ab.

1. Jeden Monat etwas oder alles auf einmal?

Mit einem Sparplan legst du jeden Monat einen festen Betrag an, zum Beispiel 100 €. Bei einer Einmalanlage legst du einen größeren Betrag an einem Tag an.

Beim Sparplan kaufst du automatisch mehr Anteile, wenn die Kurse niedrig sind, und weniger, wenn sie hoch sind:

Monat Preis pro Anteil Für 100 € bekommst du
1 100 € 1,00 Anteile
2 80 € 1,25 Anteile
3 125 € 0,80 Anteile
Gesamt im Schnitt 101,67 € 3,05 Anteile für 300 €

Du hast im Schnitt 98,36 € pro Anteil bezahlt, also weniger als den durchschnittlichen Preis von 101,67 €. Das nennt man den Durchschnittspreis beim Sparplan (Cost-Average-Effekt). Einen Gewinn garantiert er nicht: Fällt der Kurs danach dauerhaft, verlierst du trotzdem Geld.

Bei der Einmalanlage ist dein ganzes Geld sofort investiert. Rückblickend lag sie in vielen Zeiträumen vorne, weil die Kurse über lange Zeit öfter gestiegen als gefallen sind. Eine Garantie ist das nicht. Der Nachteil: Kommt kurz nach dem Kauf ein Kurssturz, trifft er den ganzen Betrag. Das halten viele Menschen schwer aus.

Ein Mittelweg: Manche teilen eine größere Summe auf und legen sie über 6 bis 12 Monate verteilt an. So sinkt das Risiko, genau vor einem Crash alles anzulegen.

Wer kein großes Vermögen hat, spart meistens einfach monatlich vom Gehalt. Dann stellt sich die Frage gar nicht.

2. Kaufen und liegen lassen

Bei dieser Strategie (Buy and Hold) kaufst du und lässt das Geld viele Jahre liegen. Du reagierst nicht auf Nachrichten und verkaufst nicht, wenn die Kurse fallen.

Das Gegenteil ist, den richtigen Moment abzupassen (Market Timing): vor einem Crash verkaufen, vor der Erholung wieder kaufen. Dafür musst du zweimal richtig liegen. Wer im Crash verkauft und zu spät zurückkommt, macht den Verlust endgültig. Wie das aussieht, zeigt Schritt 5: Risiko.

Der Haken bei Buy and Hold: Du musst aushalten, dass aus 10.000 € zwischendurch 6.000 € werden können, manchmal für mehrere Jahre.

3. Ein ETF oder mehrere?

Ein ETF für die ganze Welt: Viele Anfänger kaufen nur einen einzigen ETF, dessen Index Firmen aus vielen Ländern enthält, oft über tausend. Das ist einfach: ein Sparplan, nichts zu verwalten, und das Risiko ist breit verteilt.

Mehrere ETFs: Andere kombinieren zum Beispiel einen ETF für Industrieländer (70 %) mit einem für Schwellenländer (30 %). So bestimmst du selbst, wie viel in welche Region geht. Dafür musst du mehr verwalten.

Mehr ETFs heißt nicht automatisch mehr Streuung. Zwei ETFs mit fast denselben Firmen verteilen das Risiko kaum besser als einer. Achte auf die jährliche Gebühr jedes ETFs und auf die Kosten beim Broker für jeden Sparplan.

Wenn dir eine Shariah-Prüfung wichtig ist: Es gibt Indizes für die Welt und für einzelne Regionen, die der Indexanbieter nach Shariah-Regeln prüft. In der ETF-Liste kannst du danach filtern.

4. Wie viel Risiko? Die Aufteilung

Die wichtigste Entscheidung ist oft nicht, welcher ETF, sondern wie viel deines Geldes in ETFs geht und wie viel sicher bleibt, zum Beispiel auf dem Konto.

So wirkt die Aufteilung bei 10.000 €. Der sichere Teil ist hier ohne Zinsen gerechnet:

Aufteilung ETF / sicher Nach einem Crash (−40 % auf ETFs) Nach einem guten Jahr (+20 % auf ETFs)
100 % / 0 % 6.000 € (−4.000 €) 12.000 € (+2.000 €)
70 % / 30 % 7.200 € (−2.800 €) 11.400 € (+1.400 €)
50 % / 50 % 8.000 € (−2.000 €) 11.000 € (+1.000 €)

Mehr sicheres Geld bedeutet: kleinere Verluste im Crash, aber auch kleinere Gewinne in guten Jahren.

Viele Ratgeber nennen dazu zwei Faustregeln:

  • Geld, das du in den nächsten Jahren brauchst (etwa in weniger als 5 Jahren für ein Auto oder eine Wohnung), bleibt außerhalb von ETFs. Ein Crash kann genau dann kommen, wenn du das Geld brauchst.
  • Ein Notgroschen von etwa drei Monatsausgaben liegt immer auf dem Konto, bevor du anlegst.

Sichere Anlagen wie Tagesgeld bringen Zinsen. Manche Menschen möchten aus religiösen Gründen keine Zinsen bekommen. Für sie kann der sichere Teil zum Beispiel Geld auf dem Konto ohne Zinsen sein. Welche Lösung für dich religiös passt, klärst du am besten mit einer Person, der du in diesen Fragen vertraust.

Die Aufteilung halten

Nach einem Crash stimmt deine Aufteilung nicht mehr. Aus 7.000 € ETF und 3.000 € sicher werden 4.200 € ETF und 3.000 € sicher. Das sind nur noch 58 % in ETFs statt 70 %.

Manche stellen die geplante Aufteilung einmal im Jahr wieder her (Rebalancing). Im Beispiel würden sie 840 € vom sicheren Teil in ETFs umschichten, also nach einem Crash günstig nachkaufen. Nach starken Gewinnen verkaufen sie dagegen etwas. Wer nur einen Sparplan hat, kann das auch einfacher machen und den monatlichen Betrag eine Zeit lang anders aufteilen.

5. Wege mit höherem Risiko

Diese Wege sind möglich, aber für Anfänger deutlich riskanter:

  • Einzelne Aktien kaufen: Dein Geld hängt an wenigen Firmen. Geht eine pleite, ist dieser Teil weg. Bei einem ETF wäre es nur ein winziger Teil.
  • Häufig kaufen und verkaufen (Trading): Jeder Kauf kostet Gebühren, und Gewinne werden sofort versteuert. Das ist im Grunde ständiges Market Timing.
  • Produkte mit Hebel (zum Beispiel gehebelte ETFs oder CFDs): Sie verstärken Gewinne und Verluste. Verluste können sehr schnell sehr groß werden, bei manchen Produkten auch größer als dein Einsatz.

Was alle Wege gemeinsam haben

Egal welche Strategie: Einige Dinge hast du selbst in der Hand.

  • Niedrige Kosten. Kleine Unterschiede bei der Gebühr werden über Jahrzehnte zu großen Beträgen. Siehe Schritt 4: Kosten.
  • Viel Zeit. Je länger du anlegst, desto mehr Zeit haben die Kurse, sich nach einem Crash zu erholen. Eine Garantie gibt es aber auch nach vielen Jahren nicht.
  • Ein Plan, den du durchhältst. Die beste Strategie auf dem Papier hilft nicht, wenn du im ersten Crash verkaufst.

Welcher Weg passt zu dir?

Diese Fragen helfen dir beim Nachdenken:

  • Wann brauchst du das Geld? In 3 Jahren oder in 25 Jahren?
  • Wie würdest du dich fühlen, wenn aus 10.000 € für zwei Jahre 6.000 € werden? Würdest du verkaufen?
  • Hast du einen Notgroschen?
  • Wie viel Zeit willst du aufwenden? Ein ETF mit Sparplan braucht fast keine, mehrere ETFs mit Rebalancing etwas mehr.

Probier im Sparplanrechner aus, was aus deinem Betrag werden könnte. Er zeigt dir immer auch einen schlechten Fall.

Investieren ist mit Risiken verbunden. Du kannst Geld verlieren. Diese Seite informiert und ist keine Anlageberatung.

Schon neugierig? Probiere den Sparplanrechner aus.